Baugeschichte des 'Niddatal-Projekts'

Bebauung des Niddatals

Um die Baukosten niedrig zu halten, konnte man kein als Bauland ausgewiesenen Grund zur Realisierung der Siedlung in Praunheim heranziehen. Die Bodenpreis waren zu hoch. Stattdessen sollte das Projekt auf landwirtschaftlich genutzten Flächen am Stadtrand entstehen. Mit Hilfe der Preußischen Behebungsverordnung von 1920 enteignete man zu diesem Zweck insgesamt 32 ha Land und überführte es in Kommunalbesitz für das sogenannte "Niddatal-Projekt", zu dem die Siedlungen in Praunheim und der Römerstadt  gehören. ...

Bebauung des Niddatals

Um die Baukosten niedrig zu halten, konnte man kein als Bauland ausgewiesenen Grund zur Realisierung der Siedlung in Praunheim heranziehen. Die Bodenpreis waren zu hoch. Stattdessen sollte das Projekt auf landwirtschaftlich genutzten Flächen am Stadtrand entstehen. Mit Hilfe der Preußischen Behebungsverordnung von 1920 enteignete man zu diesem Zweck insgesamt 32 ha Land und überführte es in Kommunalbesitz für das sogenannte "Niddatal-Projekt", zu dem die Siedlungen in Praunheim und der Römerstadt  gehören.

Zu dem Mittel der Enteignung griff man, da sich einige Landbesitzer weigerten ihr Land zu verkaufen oder überhöhte Preise forderten. Per Gerichtsbeschluss konnte die Stadt das Land schließlich für nur noch 3,50 Mark pro m² kaufen statt eines geforderten Quadratmeterpreises von bis zu 15 Mark.

Zur Bebauung wurde das Gebiet im Vorfeld des zum Niddatal abfallenden Berg Ebel  - auf dem Berg steht heute die Heinrich-Lübke-Siedlung - zwischen der "Mainzer Straße" - heute Heerstraße - und der "Hainstraße" - heute Sandplackenstraße frei gegeben. Bis dahin standen als einzige Bebauungen in diesem Gebiet das Hofgut der Waisenhausstiftung, einige wenige Häuser und ein Bauernhof. Umsäumt war das Baugelände von insgesamt fünf Ziegeleien (vgl. Kühn 2009).

Die gesamte Siedlung wurde in drei Bauabschnitten von Mai 1926 bis Dezember 1929 erbaut. Zunächst aber wurden Am Hofgut gegenüber der Ostmauer des Hofgutes zehn Versuchshäuser in Plattenbauweise errichtet. In drei Bauabschnitten entstanden 1441 Wohneinheiten:

  1. Bauabschnitt, Mai-Dez. 1926, 173 Wohnungen
  2. Bauabschnitt, Juli 1927-März 1928, 565 Wohnungen
  3. Bauabschnitt, Aug. 1928-Dez. 1929, 703 Wohnungen

Weitere Häuser waren zwar geplant, wurden aber nie gebaut: Ein südlicher Häuserblock im heutigen Kleingartengebiet parallel zum Damaschkeanger, zwei Blöcke an der Sandplackenstraße und einige Gebäude an der Heerstraße.

Ebenfalls nicht umgesetzt wurde ein  Volkshaus im Damaschkeanger.  Auf der quadratischen Fläche des heutigen Spielplatzes in der Mitte des Geländes des dritten Bauabschnittes zwischen Camillo-Sitte-Weg und Heinrich-Tessenow-Weg sollte eigentlich ein Kindergarten stehen.

Die entstandenen Eigentumshäuser und Mietwohnungen vermietete das Hochbauamt bis 1931 direkt. Die Mietwohnungen wurden später an die städtische Aktienbaugesellschaft veräußert. Zu den Mietobjekten gehörten und gehören zum Teil noch die zehn Versuchshäuser in der Straße „Am Hofgut“, die Ganghäuser entlang der Ludwig-Landmann-Straße, der nach ihrem Architekten Anton Brenner (1896-1957) auch „Brennerblock“ genannte Wohnkomplex am Ebelfeld und fünfzig Einfamilienreihenhäuser zwischen Heerstraße und Muthesius-Weg.

Ergänzungen und Erweiterungen

In den Jahren 1929 bis 1931 entstanden auch die Häuser der Siedlung Westhausen. Sie sollten den weiteren Bedarf nach Mietobjekten decken.

In der Siedlung baute man  auch Gewerbeeinheiten. Es gab eine Zentralwäscherei in der Olbrichstraße, deren Benutzung für die Bewohner des 2. Bauabschnitts sogar verpflichtend war. An der Straßenecke Am Ebelfeld/Damaschkeanger entstand ein Gebäude für eine Gaststätte, in den Eckhäusern bekamen Ladengeschäfte einen Platz und zwischen Heerstrasse und Damaschkeanger, im Gebiet des 1. Bauabschnitts, schaffte man Raum für eine Siedlungsgärtnerei. Als sehr modern galt die Einrichtung einer zentralen Rundfunkanlage für den Siedlungsfunk.

1930 entstand am Rand der Siedlung eine Grundschule, die zunächst Hindenburgschule hieß und später in Ebelfeldschule umbenannt wurde.

Mit der Zunahme des Individualverkehrs entstand 1936 die Idee, gegenüber der Siedlungsgärtnerei zwischen Damaschkeanger und Heerstrasse Garagen zu bauen. Einige von diesen Garagen existieren heute noch.

Der Siedlerverein erwirkte 1938 von der Stadt eine finanzielle Beihilfe zur Holzüberdachung der 153 offenen Dachgärten im 1. Bauabschnitt. 1939 wurde der Bau eines Siedlervereinshauses in der Pützerstrasse beschlossen, den der Kriegsbeginn verhinderte.

Ab 1941 wurden in den Kellern Mauerdurchbrüche für  Fluchtwege vorgenommen und Splittergräben ausgehoben, um Schutz vor Fliegerangriffen zu bieten. In der Eberstadtstrasse entstand ein großer Luftschutzbunker. Die Splittergräben vor den Häusern wurden 1947 wieder gesprengt, der Luftschutzbunger steht heute noch. 

Auf der Nordseite der Heerstasse enstand  1941/42 ein Werk des Messinstrumenteherstellers Hartmann & Braun, in dem bis zu 1000 Arbeiter beschäftigt waren.

Während in den ersten Nachkriegsjahren jeder Quadratzentimeter Wohnraum zur Unterbringung von Flüchtlingen und Ausgebombten genutzt wurde, hielt in den 50er Jahren allmählich neuer Wohlstand in der Siedlung Einzug. Baulich führte er zu zahlreichen An- und Umbaumaßnahmen, die nicht immer in Einklang mit dem Einheitlichkeitsanspruch der Siedlung im Heimstättenvertrag standen. Von der ursprünglichen Einheitlichkeit ist heute wenig übrig. An den Häusern lässt sich der Zeitgeschmack der letzten Jahrzehnte erkennen, die Siedung ziegt sich vielgestaltig und bunt.

Bauweise

Eine weitere historisch interessante Besonderheit der Praunheimer Siedlung ist ihre Bauart. In der Praunheimer Siedlung wurde erstmals das Frankfurter Montageverfahren als Teil eines Forschungsprogramms erprobt. Es ging um mögliche Vorteile der Plattenbauweise. Getestet wurden u.a. die Serienherstellung, die Verringerung der Wandstärken und die Witterungsunabhängigkei. 

Die verwendeten Platten bestanden aus 62,5% Bimskies, 25% Bimssand und 12,5% Portlandzement. Sie wurden in Formen aus hölzernen Bohlen gegossen. Hergestellt wurden sie zunächst im Haus der Technik auf dem Messegelände, später in einer Plattenfabrik auf dem Gelände des Osthafens.

 

Siehe auch

  • Kühn, Manfred: Die Geschichte der Ziegeleien in Frankfurt am Main - Praunheim im 20. Jahrhundert: eine Dokumentation in Wort und Bild. 2009.
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