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Gymnasium Nord – Interview mit dem Schulleiter

Seit dem Beginn dieses Schuljahres hat Praunheim ein Gymnasium. Sie stutzen? Da gibt es doch die Liebigschule und das Lycee Victor Hugo. Ja, aber die liegen in der Gemarkung Rödelheim. Fred Illenberger vom Siedlerverein hat jetzt mit dem Schulleiter, Herrn Oberstudiendirektor Michael Haas, gesprochen:

Schulleiter Michael HaasDie Schule läuft jetzt seit einem halben Jahr. Die berühmten 100 Tage als Schulleiter sind vorbei. Wie lautet Ihr Zwischenfazit?

Wir sind hier, vor allem von den Westhausenern, anfangs nicht mit offenen Armen empfangen worden. Während der Bauzeit waren die Befürchtungen groß, dass unsere Schule zusätzlichen Verkehr mit sich bringen würde. Mittlerweile ist die Stimmung umgeschlagen, zum einen, weil gesehen wird, dass die Schule eine intensive Schulentwicklungsarbeit leistet und damit ein attraktives Angebot für Kindern und Eltern macht, und zum anderen, weil wir uns in enger Kooperation mit dem Ortsbeirat für ein Verkehrskonzept stark machen, dass die Anwohner nicht zusätzlich belastet. Ich freue mich sehr, dass wir mittlerweile in Westhausen auf eine hohe Akzeptanz und Interesse seitens der Eltern und Anwohner stoßen!
Auch Schüler und Eltern, die uns zugewiesen wurden, waren zu Beginn nicht mit uns einverstanden, weil Eltern die Befürchtung hatten, dass das Schulgebäude nicht fertig werden könnte, weil Schulwege sehr lang wären und weil eine Schule im Aufbau ihren Kindern nicht die angemessene und notwendige Bildung vermitteln würde. Inzwischen identifizieren sich die Kinder und auch die Eltern mit „ihrem Gymnasium Nord“. Ich werte das als Zustimmung zu unserer leistungs- und sozial orientierten Arbeit.

Erfüllt das neue Haus all das, was Sie von einem Schulgebäude erwarten?

Für ein Provisorium ist es sehr gut ausgestattet, ansprechend gestaltet und sehr gepflegt. Die Klassenräume sind etwas kleiner als normal, aber für unsere Klassenstärke von derzeit 26 - 27 Kindern ausreichend. Die Gänge und Treppenhäuser erweisen sich für unsere bewegungshungrigen Fünftklässler oft als zu eng. Dafür gibt es eine gute Fachraumausstattung, eine Mediathek und einen EDV-Raum. Ein Manko ist der fehlende Aufenthaltsbereich draußen. Wir hoffen, zeitnah ein kleines Sportfeld zu erhalten, weil uns Fünftklässler viel Bewegung benötigen. Bei Regen müssen die Kinder im Gebäude bleiben und haben wenige Bewegungsmöglichkeiten. Dem werden wir durch eine Pausenüberdachung auf dem Schulhof Abhilfe leisten.

Wie viele Schülerinnen und Schüler werden zurzeit von wie vielen Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet?

Derzeit unterrichten wir 156 Schülerinnen und Schüler in sechs Klassen. Es unterrichten 12 Lehrerinnen und Lehrer, einschließlich mir als Schulleiter und meinem Stellvertreter, Herrn Trautmann. Im nächsten Schuljahr wird sich für bis zu weiteren 240 Schülerinnen und Schülern das Kollegium mehr als verdoppeln. In Bezug auf die Personalsituation sehe ich keine Probleme, denn wir erhalten täglich Bewerbungen von jungen und interessierten Lehrkräften, aber auch von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen, die gerne am Gymnasium Nord arbeiten würden. Bei der Zusammenstellung des jetzigen Kollegiums gab es ca. 100 Bewerbungen. Offenbar ist eine Schule im Aufbau für junge Kolleginnen und Kollegen sehr attraktiv. Fast täglich führe ich neue Bewerbungsgespräche für das kommende Schuljahr.

Aus welchen Stadtteilen kommen die Schülerinnen und Schüler?

Die meisten Kinder kommen aus dem Norden Frankfurts, aber auch aus Bockenheim, Ginnheim, Heddernheim, der Innenstadt und sogar aus Sachsenhausen. Ein paar wenige Schülerinnen und Schüler kommen aus dem Osten Frankfurts. Schüler aus dem Westen haben wir bislang keine.

SchulhausKommen auch welche aus der direkten Umgebung?

Bislang haben wir nicht viele Kinder aus der direkten Umgebung. Dies liegt vor allem daran, dass wir mit der Liebigschule eine unmittelbar benachbarte Schule haben, die als traditionelles Gymnasium mit einem sehr ansprechenden Profil und einer sehr guten pädagogischen Arbeit fest im Stadtteil verankert ist. Indes erwarte ich für das kommende Schuljahr eine höhere Zahl an Kindern aus dem unmittelbaren Umfeld, die sich für unsere Schule interessieren. 

Sind auch Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund dabei?

Ja, aber wie viele das sind, können wir aufgrund der schulischen Daten schlecht beurteilen, da mittlerweile Kinder mit Migrationshintergrund oder ausländischen Namen in Deutschland geboren sind und aus Familien stammen, die seit mehreren Generationen in Deutschland leben. Statistisch liegen wir im Frankfurter Durchschnitt.

Wie kommen die Schülerinnen und Schüler hier her? Konnten Sie schon Verkehrsprobleme erkennen?

Bisher können wir hinsichtlich des Verkehrs noch keine Probleme wahrnehmen. Nur vier bis sechs Kinder werden im Auto von ihren Eltern zur Schule gefahren. Die meisten Kinder kommen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und unseren Schulbussen aus dem Frankfurter Norden. Mit der U6 und dem 60-er Bus sind wir sehr gut angebunden.

Sie haben jetzt nur den Jahrgang 5? Gibt es da schon Schwerpunkte im Unterricht?

Wir haben unsere schulischen Schwerpunkte im Bereich der Mehrsprachigkeit mit bilingualen Angeboten auf Englisch und der Förderung besonders begabter Mathematiker. Zudem lege ich großen Wert auf kulturell-musische Bildung. Derzeit haben wir drei Musiklehrerinnen und bilden für die Jahrgangsstufe 5 eine Profilklasse mit Schwerpunkt Gesang aus. Diese Klasse wird ab dem nächsten Schuljahr eine freiwillige dritte Musikstunde am Nachmittag erhalten. Die Resonanz auf dieses Angebot ist ausgesprochen hoch. Daneben bestehen auch vielfältige Angebote im Ganztagsbereich: Chor, Orchester, eine Französisch-AG, eine Philosophie-AG, die Begabtenförderung Mathematik, eine Leichtathletik-AG und  - besonders beliebt – unsere NaWi-AGs, in denen die Schülerinnen und Schüler naturwissenschaftliche Experimente durchführen.
Unser derzeit vielleicht attraktivster Schwerpunkt ist der bilinguale Unterricht in Englisch im Fach Erdkunde für alle Schülerinnen und Schüler in den Jg. 5 und 6. Um dies vorzubereiten erhalten unsere Schülerinnen und Schüler eine zusätzliche Stunde Englisch. Hier erreichen die Schüler einen immensen Sprachkompetenzzuwachs, wenn im Geographieunterricht der Unterricht nur auf Englisch stattfindet und „kein deutsches Wort“ fällt. Dann profitieren die Schülerinnen und Schüler enorm! Englisch ist in einer Weltstadt wie Frankfurt einfach ein „Muss“ für ihre Zukunft.

Können Sie die in Ihrem Prospekt genannte Stundentafel ganz erfüllen?

Ja, ohne Einschränkungen.

Wie sieht es mit Sport aus?

Mit der Sporthallensituation bin ich derzeit nicht zufrieden. Wir fahren mit einem Schulbus zur Leichtathletikhalle in Kalbach. Die Sporthalle selbst ist ausgesprochen ansprechend, allerdings ist der Fahrtweg für die Lehrkräfte und Kinder sehr anstrengend. Für die Wegezeit haben wir die zweite Pause auf 25 Minuten verlängert. Eventuell erhalten wir demnächst auf unserem riesigen Schulgelände ein kleines Sportfeld mit einer Traglufthalle. Eine Sporthalle mit zwei oder drei Feldern ist in der Planung.

Könnten Sie im Sommer nicht den Praunheimer Sportplatz nutzen, der im Frühjahr 2017 einen Kunstrasenplatz erhält?

Danke für den Tipp. Ich werde mich darum kümmern und gerne Kontakt mit dem Sportverein aufnehmen. Ich würde mir auch wünschen, wenn wir hier eine Kooperation eingehen könnten. Vielleicht ließe sich z.B. ein gemeinsames Fußballturnier veranstalten.

Gibt es eine Konkurrenzsituation mit den anderen beiden Gymnasien in der Nähe?

Nein! Die Liebigschule ist ein angesehenes Gymnasium mit einem ansprechenden Profil. Ich verstehe uns keinesfalls als Konkurrenz, denn wir bieten unterschiedliche Schwerpunkte an. Zudem empfinde ich die Zusammenarbeit mit der Schulleitung der Liebigschule als sehr konstruktiv. Ich betrachte die Situation, dass vorübergehend zwei Gymnasium nah beieinander liegen, als Bereicherung für den Stadtteil. Die Eltern haben eher die Qual der Wahl, welches Profil für ihr Kind das richtige ist.

Bauplan Gymnasium-Nord NordWie soll es baulich mit der Schule weitergehen?

Die Schulerweiterung 2018/2019 umfasst einen noch größeren Schulbau als der jetzt existierende, die schon genannte Sporthalle und ein Mensagebäude. Ein dritter Anbau ist für 2022/23 angedacht. Alles soll in der gleichen Holzmodulbauweise wie bei unserem ersten Haus errichtet werden.

Haben Sie Informationen, ob demnächst die Verkehrsanbindung verbessert werden soll, wofür sich der Ortsbeirat stark macht?

Ich hoffe, dass sich der Ortsbeirat mit der Stadt auf ein vernünftiges Verkehrskonzept verständigt, denn unsere Schülerzahlen werden in den nächsten Jahren massiv steigen. Dieses Jahr kommt eine weitere Treppe von der Muckermannstraße hinzu.
Die Anlieger der Schinkelstraße werden derzeit nicht durch Schülerverkehr belastet, höchstens durch Baufahrzeuge, die dort eine Zufahrt erhalten könnten. Ein Verkehrskonzept erscheint mir aber im Hinblick auf die Gesamtverkehrssituation in der Kollwitzstraße absolut notwendig! Hier nehme ich Probleme wahr, die unabhängig vom Gymnasium Nord bereits existiert haben und die im Interesse der Anwohner gelöst werden müssen.

Auf wie lange richten Sie sich an diesem Standort ein, bzw. für wann rechnen Sie, dass Sie nach Bonames umziehen zu können?

Das ist jetzt noch nicht absehbar. Ich gehe davon aus, dass wir bis zum Ende der Sekundarstufe 1 der jetzigen 5. Klassen hier verweilen werden. Bislang ist noch nicht über den endgültigen Standort entschieden. Wenn Sie mich persönlich fragen: Ich fühle mich hier sehr wohl! Der Weg von Unterliederbach mit dem Fahrrad entlang der Nidda ist eine angenehme Anfahrt und ich genieße das schöne Umfeld.

Jetzt noch zu Ihnen persönlich. Wie ist Ihr pädagogischer Werdegang verlaufen? Sind Sie geborener Frankfurter?

Ja, ich bin Höchster. Jetzt wohne ich in mit meiner Familie in Unterliederbach. Ich habe drei Kinder im Altern von 5, 8 und 10 Jahren.  Von ca. 2000 an war ich Lehrer an der Leibnizschule, zwischenzeitlich zweieinhalb Jahre an das Staatliche Schulamt abgeordet, bevor ich als stellvertretender Schulleiter wieder an die Leibnizschule zurückgekehrt bin. 2015 hat mich der Ruf hierher ereilt. Das war die Chance, etwas völlig Neues nach meinen Ideen aufzubauen. Hier habe ich die einmalige Gelegenheit, mit den Lehrkräften, Kinder und Eltern ein durchdachtes und attraktives Schulangebot zu auszugestalten.

Ich glaube, dass Ihnen das gut gelungen ist. Herzlichen Dank Herr Haas, dass Sie sich ausgerechnet an Ihrem 47. Geburtstag so viel Zeit für dieses Gespräch genommen haben.

 

Wer sich für Neuigkeiten aus dem Schulalltag des Gymnasiums-Nord interessiert, dem sei die Internetseite der Schule mit den Nord-News empfohlen. http://www.gymnasium-nord.de/

fi

   
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